Fragerunde: Plattformen zur Offenen Wissenschaft

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Heute erreichte mich folgende Frage:

... ich habe jetzt schon öfters von Plattformen im Internet gehört, auf denen man gemeinsam arbeiten kann. An Papers und so.

Ich frage mich: bringt das was? Und wie genau sieht das aus? Können andere da auch meine Ideen benutzen, wenn sie doch für alle zugänglich sind?

Hat jemand von euch schon Erfahrungen damit gesammelt?

Oder kann ein paar Beispiele geben?

Ja, von diesen Plattformen gibt's einige, zum Beispiel Google Docs, Etherpad oder Wikis.

Ich habe meine Diplomarbeit in Word geschrieben. Das ging ganz gut, obwohl mich der Formeleditor genervt hat, weshalb ich für spätere Arbeiten auf TeX umgestiegen bin (ein Blick in den Appendix genügt, um das zu verstehen).

Papers habe ich bisher nur kollaborativ veröffentlicht. Wenn wirklich mehrere Ko-Autoren intensiv am Text arbeiten wollen (ist nicht immer der Fall - manche beschränken sich darauf, zu den Experimenten selbst oder zu deren Auswertung beizutragen), hat es sich dabei als sehr unpraktisch erwiesen, ständig Dateien hin- und herzuschicken (egal, ob .doc, .odt oder .tex, wobei letztere durch weitgehende Plattformunabhängigkeit etwas im Vorteil sind).

Diese Ansicht teilen eigentlich alle, mit denen ich mich darüber ausgetauscht habe. Also wäre die logische Schlussfolgerung, dann mal Google docs & Co. auszuprobieren, doch dem steht ein wichtiges Problem im Wege - die Integration mit bibliographischer Software (klassicherweise Endnote oder BibTeX) ist nicht gegeben, während stand-alone Word (or Open Office, or TeX) sie schon seit langem bieten. Bisher hat praktisch jeder Wissenschaftler seine Literatursammlung irgendwie "selbst gebastelt", und speziell die Varianten, die auf Papier basieren (Ordner, Karteikästen etc.) sind praktisch nicht mit vertretbarem Aufwand umstellbar (ich hab meine entsprechende Sammlung dann irgendwann dem Altpapier übergeben und archiviere seit Beginn der Diss nach Möglichkeit nur elektronisch - geht aber auch heute noch nicht immer).

Ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte war die Einführung von URI (am bekanntesten ist DOI, aber es gibt auch andere, z.B. SRef). Das ermöglichte nämlich die Entstehung bzw. Entwicklung von Plattformen, die Metadaten zu einer Literaturquelle aggregieren (Überblick; stark im Kommen ist der Verbund aus Mendeley und CiteULIke). Diese Literaturplattformen ermöglichen den Import/Export von Metadaten (oft auch noch mehr, zum Beispiel PDF oder gar Supplementary materials), und so handhabe ich es mittlerweile so, dass ich in meiner Literaturverwaltung (ich nutze gegenwärtig primär Papers) alle Artikel (nach erfolgreicher Assoziation mit den Metadaten, was meist automatisch funktionert) mit nem manuskriptspezifischen tag versehe. Wenn ich dann Papers nach dem tag durchsuche, kann ich die Metadaten all dieser Referenzen in eine BibTeX-Datei (oder RIF, or whatever) exportieren und in TeX einbinden. Kompilieren (dabei sucht sich TeX die Referenzen raus, die ich auch tatsächlich zitiert habe), fertig. Alles andere, was mit dem Manuskript zu tun hat, kann über die von Dir angesprochenen Online-Plattformen erfolgen.

Letzten Freitag habe ich die Revision eines so entstandenen Manuskripts an die Gutachter geschickt (über ein Online-Interface natürlich, per Email macht das heut kaum noch ein Journal), und anstelle der früher üblichen Datei mit "allen Änderungen während der Überarbeitungsphase" brauchte ich nur einen Link einzufügen.

Einen ersten Einblick in die Thematik "Forschen und Lehren in der Öffentlichkeit" vermittelt dieser Vortrag (meine Kommentare). Für alle wissenschaftlichen Aktivitäten gibt es mittlerweile Beispiele einer solch offenen Vorgehensweise, sogar für das Schreiben von Fördermittelanträgen, auch in Deutschland.

Ideenklau kommt immer wieder als Argument gegen "Open Science" auf und wird hier kurz sowie hier etwas ausführlicher besprochen (hier auch). Fazit: Theoretisch denkbar, aber unpraktisch - wenn nämlich meine Ideen oder Messdaten (or what have you) öffentlich sind, dann auch der Zeitpunkt, an dem ich sie online gestellt habe - und den kann ich ggf. dem Ideenklauer unter die Nase halten, wenn ich das, was er damit gemacht hat, für problematisch halte. Allerdings wird momentan nur ein kleiner Teil aller wissenschaftlichen Ideen umgesetzt, von den Umsetzungen wiederum nur ein gewisser (wohl auch kleiner) Teil veröffentlicht, von der publizierten Literatur nur ein kleiner Teil zitiert (mit starken Unterschieden zwischen Fächern) und schließlich nur ein kleiner Teil des in der Literatur vorhandenen Wissens weiterentwickelt.

Da erscheint es mir lohnenswert, über Mechanismen nachzudenken, die das System etwas effizienter machen könnten: Wenn Wissenschaft per default öffentlich wäre (d.h. von der Ideenphase an, nicht erst nach der formalen Veröffentlichung), würden Wissenschaftler ihre Lebenszeit und die Gesellschaft als Ganzes eine Menge Ressourcen effizienter einsetzen können, als das in dem heutigen System der Fall ist.

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Comments

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English version (by Google).

English version (by Google).

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A comment on the same topic,

A comment on the same topic, by another biophysicist, Steve Koch.

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Eine Zusammenfassung der Fragerunde

findet sich hier.

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Quelques remarques critiques

La solution d'archivage numérique n'est pas encore utilisée par tout savant "jeder Wissenschaftler" dans les sciences sociales - hélas !

Philippe Lacour
Post-doctorant (Marie Curie Fellowship), Université Libre de Bruxelles
Chercheur attaché, Centre Marc Bloch (Berlin)

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Correction

Je disais juste que "pratiquement tous" ont une archive quelconque, et que le changement au numerique n'est pas facile.